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Eltern-Kind-Workshop in der Echterdinger Johannes-Kirche

Eltern-Kind-Workshop in der Echterdinger Johannes-Kirche

Medienkompetenz-Workshop für syrische Familien

Das Eltern-Medienmentoren-Programm des Kindermedienlandes bietet Workshops an, in denen Eltern zusammen mit ihren Kindern mehr in Sachen Umgang mit Medien lernen. Diesmal waren in Leinfelden-Echterdingen vier syrische Familien bei einem Workshop dabei. Wie bei ihnen der Medienalltag aussieht und welche Fragen sie zu digitalen Medien haben, fassen wir hier zusammen.

Viel gelacht wird in der Echterdinger Johannes-Kirche ein paar Tage vor dem Osterwochenende. Eine syrische Mutter hält gerade ein Foto von einer Fernbedienung hoch. Warum sie das Foto ausgewählt hat? Weil sie viel Fernsehen schaut, witzelt sie. Was sie denn besonders gerne schaut, will jemand wissen. Die Mutter hält weiter die Laune hoch: „Kindersendungen! Damit kann ich am besten Deutsch lernen!“

In einem Stuhlkreis haben gerade vier syrische Familien – insgesamt 17 Personen – zu einem Eltern-Kind-Workshop Platz genommen. Mit dabei sind die beiden medienpädagogischen Referenten Frank Wagner und Nida Friedrich vom Landesmedienzentrum (LMZ) Baden-Württemberg. Initiiert wurde die Veranstaltung von Monika Heilmann von der Gruppe Arbeit und Integration aus Leinfelden-Echterdingen. Die Mediatorin aus Oberaichen engagiert sich bereits seit 2014 dafür, dass Flüchtlinge Wohnraum und Arbeitsplätze bekommen. Zur Integration zählt für sie auch der richtige Umgang mit Medien, wofür sie heute die syrischen Familien zusammengebracht hat.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dürfen sich Postkarten aussuchen, mit denen sie sich identifizieren können.

Damit sich alle Teilnehmer auf das Thema einstellen können, haben die beiden Medienpädagogen Postkarten auf dem Boden verteilt, wo alle die für sie passenden heraussuchen können. Nun darf jeder erklären, warum er welche Karte ausgewählt hat. Man merkt, dass besonders die Älteren beim Deutsch reden noch etwas unsicher sind. „Du kannst das auf Deutsch oder Arabisch sagen“ werden sie von Frank Wagner ermutigt. Nida Friedrich kommt ursprünglich aus dem Westjordanland und übersetzt bei Unsicherheiten zwischen Deutsch und Arabisch. Aber es klappt mit dem Deutsch schon recht gut.

Vater Djamal hat ein Foto vom Internet in der Hand und erzählt, dass er einen Deutschkurs macht und dafür „ständig das Internet braucht“. In der anderen Hand hält er eine Abbildung von einer Playstation. „Meine Kinder wollen ständig spielen und ich muss immer kontrollieren, dass sie nicht zu viel spielen.“ erklärt er. Sarvan, die Mutter in einer der Familien, hat sich einen Facebook-Daumen ausgesucht. Sie kommuniziert viel mit der Familie über Facebook, findet aber, dass es auf Facebook vieles gibt, was sie nicht liken will. Als zweites Foto zeigt sie eine Überwachungskamera „Ich mag nicht überwacht werden.“ kommentiert sie das Foto. Tiefe Einblicke in die Lebensrealität der Familien verschafft Samir. Er hat ein Foto in der Hand, auf dem ein Mann besorgt die Hände vor den Kopf hält. „So geht es mir. Viel Kopfschmerzen wegen meiner Familie in Syrien und wegen meinen Kindern!“ gibt er in die Runde.

Ein syrischer Vater will wissen, ob Smartwatches schon für Grundschüler geeignet sind. Die Experten vom Landesmedienzentrum meinen: Nein.

Schon bereits beim Kennenlernen wird klar, dass die Gruppe vielfältige Erfahrungen im Umgang mit der digitalen Welt mitbringt. Doch Detailfragen bieten Anlass für viel Gesprächsstoff. Djamal will wissen, ob die Experten vom Landesmedienzentrum eine Smart-Watch für sein Grundschulkind empfehlen würden. Frank Wagner lehnt die Idee ab. Schließlich können Kinder in dem Alter nur schwer verstehen, was mit den ganzen gesammelten Daten der Uhr eigentlich geschieht.

In der zweiten Runde müssen die Familien auf einem Tisch die Medien und Dienste auswählen, die sie täglich nutzen und an eine Pinnwand kleben. Schnell füllen sich die beiden Stellwände mit Youtube-, Facebook-Logos und kleinen Fernsehern. Gewinner ist das Youtube-Logo, fast zehn der siebzehn Teilnehmer nutzen Youtube regelmäßig. Medien-Experte Frank Wagner will wissen, was sie damit machen. Die Antwort hätte auch von jeder Familie ohne Migrationshintergrund kommen können: Sie schauen gerne Filme, Fitness-Videos, Gesundheitstipps oder hören Musik.

Jeder darf die Apps und Dienste an die Pinnwand kleben, die zu Hause verwendet werden.

Frank Wagner weist darauf hin, dass auf Youtube ja auch Videos erscheinen, die nicht kindgerecht sind. Eine Mutter wendet ein, dass das für sie überhaupt kein Problem sei. „Wir schauen die Videos immer gemeinsam. Und außerdem wird durch die Youtube-Empfehlungen ja nur das angezeigt, was einen interessiert.“ versichert sie. Da sie sich nur für kindgerechte Video interessiert, würde in den Empfehlungen auch nichts Schädliches angezeigt.

Djamal erzählt uns, wie er das in seiner Familie handhabt. Er hat bereits auf allen Geräten eine Kindersicherung eingebaut. Die Kinder dürfen nur mit ihm zusammen die Videos anschauen, die er selber von Youtube auf sein Handy herunterlädt. Frank Wagner will nun wissen, wie die Eltern verhindern wollen, dass die Kinder nicht bei Freunden problematische Inhalte anschauen. Für Djamal stellt das kein zu großes Problem dar. „Da muss man mit seinen Kindern einfach darüber reden und ihnen das erklären“ meint er. Ein Rat, den die meisten Experten nur bestätigen können.

Ein weiteres Problemfeld taucht auf als die Referenten vom LMZ den Zusammenhang von Instagram und Google thematisieren. Frank Wagner erklärt, dass Instagram-Fotos kopiert und anderswo ins Netz gestellt werden können. Eine jüngere Teilnehmerin hat prompt dazu ein Beispiel. Von einer Freundin sind Bilder auf Google aufgetaucht, die ihr unangenehm sind. Nun möchte sie wissen, was sie tun kann. Die Experten erklären, dass es bei der Google-Bildersuche bereits eine Funktion gibt, mit der man Bilder melden kann und dass ihre Freundin so das Bild entfernen lassen kann.

Weitere Informationen

Das Eltern-Medienmentoren-Programm ist ein unterstützendes Angebot für Eltern, um Medienerziehung in der Familie zu erleichtern. Dabei werden insbesondere Eltern mit Migrationshintergrund in den Blick genommen. Es hat zum Ziel:

  • Eltern zu informieren und zu qualifizieren,
  • sie in der Ausübung von Medienerziehung zu unterstützen und zu stärken,
  • die Kommunikation in der Familie zu fördern und damit
  • einen Beitrag zum präventiven Jugendmedienschutz zu leisten.

Wenn Sie ebenfalls Interesse an einer solchen Informationsveranstaltung haben, können Sie sich an die medienpädagogischen Beratungsstelle des LMZ wenden. Dort vermittelt man Ihnen gerne einen kompetenten Referenten für Ihr Vorhaben, das zeitlich und thematisch ganz auf Ihre Bedürfnisse abgestimmt werden kann.

0711-2850-777, beratungsstelle@lmz-bw.de

Dort hilft man Ihnen auch gerne bei Medienerziehungsfragen weiter.

Das Eltern-Medienmentoren-Programm ist Teil der Initiative Kindermedienland Baden-Württemberg und wird vom Landesmedienzentrum Baden-Württemberg im Auftrag des Staatsministeriums Baden-Württemberg durchgeführt. Das Ziel der breit angelegten Initiative der Landesregierung ist es, die IT- und Medienkompetenz von Kindern, Jugendlichen, Eltern und anderen Erziehungsverantwortlichen im Land zu stärken. Mit der Initiative werden die zahlreichen Projekte, Aktivitäten und Akteure im Land gebündelt, vernetzt und durch feste Unterstützungsangebote ergänzt sowie eine breite öffentliche Aufmerksamkeit für die Themen Medienbildung und -erziehung geschaffen. Träger sind neben der Medien und Filmgesellschaft Baden-Württemberg (MFG) die Landesanstalt für Kommunikation (LFK) und das Landesmedienzentrum (LMZ).

Kontakt

Anja Stein
Projektkoordination Eltern-Medienmentoren-Programm
stein@lmz-bw.de 
0711 / 2850 - 772

Monika Heilmann
Tel.: 0711/4409410
Mail: info@cowimo.de