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Referentenschulung in Biberach

Mentorenschulung mit Flüchtlingen in Biberach

Aha-Erlebnisse im Pilot-Projekt mit Geflüchteten

In einem Pilotprojekt des Landesmedienzentrums und des Kreismedienzentrums Biberach wurden Geflüchtete als Eltern-Medienmentoren ausgebildet. Die Teilnehmer aus Afghanistan, Syrien, Libanon und Nigeria lernten bei der Schulung genauso viel wie die Referentinnen und Referenten. Nun wollen sie ihr Wissen über den verantwortungsvollen Umgang mit Medien im Bekanntenkreis weitergeben und selber als Referenten aktiv werden.

„Darf man in Deutschland Kindern eigentlich überhaupt etwas verbieten?“. Das war eine der Fragen in der Eltern-Medienmentoren-Schulung speziell für Geflüchtete, die das Landesmedienzentrum Baden-Württemberg (LMZ) im Auftrag des Staatsministeriums erstmals im Oktober und November 2016 in Biberach anbot. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer stammten aus Afghanistan, Syrien, dem Libanon und Nigeria und kennen aus ihren Heimatländern eher autoritäre Erziehungsmethoden. Auch hinsichtlich rechtlicher Fragen oder bezüglich des Umgangs mit Amtspersonen erwies sich die viertägige Schulung, bei der es vor allem um Medienerziehung und eine sinnvolle Nutzung digitaler Medien ging, als eine Art Einführung in die kulturellen Besonderheiten Deutschlands.

„Wir haben dabei mindestens genauso viel gelernt wie die Geflüchteten“, sagt Sandra Klingenhäger, eine der Referentinnen des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg (LMZ), die die Medienmentoren-Schulung durchführte. „Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beurteilen die digitalen Medien fast durchweg positiv, es ist keine so kritische Haltung dazu spürbar wie mitunter bei uns. Daher werden Kinder im Gebrauch dieser Medien kaum eingeschränkt“. Auch Alexander Schmitt (ebenfalls LMZ-Referent) hatte so manches Aha-Erlebnis. „In Syrien schaut man zum Beispiel Polizisten auf der Straße nicht an, denn das könnte Ärger mit schlimmen Folgen geben“. In Deutschland, so Alexander Schmitt, der selbst Polizist ist, „würden wir ein Wegsehen eher als ungewöhnlich empfinden“.

Und Julia Ummenhofer (LMZ-Referentin) nimmt aus dem Kurs mit, dass bei solchen Schulungen auch Rücksicht auf die kulturellen Besonderheiten der Teilnehmer/innen genommen werden muss. So sind beispielsweise für Muslime entsprechende Gebetszeiten einzuplanen und gerade für muslimische Frauen ist Gruppenarbeit nur mit Frauen wichtig.

Diese Eltern-Medienmentoren-Schulung war ein Pilotprojekt des Landesmedienzentrums und des Kreismedienzentrums Biberach. Das KMZ stellte die Räume und die Technik und erarbeitete gemeinsam mit den LMZ-Referenten eine Konzeption für diesen besonderen Kurs. „Wir betreten damit absolutes Neuland. Zwar gibt es bereits solche Schulungen für Menschen mit Migrationshintergrund, bei den Geflüchteten gilt es allerdings noch einiges mehr zu beachten als bei unseren bisherigen Kursen“, so Anja Stein, am LMZ zuständig für das Eltern-Medienmentoren-Programm. „Wir freuen uns, dass diese Schulung zustande kam, denn sie ermöglicht einigen Geflüchteten perspektivisch eine sinnvolle Beschäftigung und trägt sehr zur Integration bei“, betont Magnus Koch, Leiter des KMZ Biberach.

Zur Sprache kamen an den vier Tagen verschiedene Themen aus dem Bereich des Pädagogischen Jugendmedienschutzes. Dazu gehörten rechtliche Fragen wie etwa das Recht am eigenen Bild ebenso wie „der gute Ton“ im Netz. WhatsApp und Online-Spiele wie Pokémon Go standen genauso auf dem Programm wie der digitale Verbraucherschutz. „Auch bei diesen Themen haben wir viel erfahren über Nutzungsformen der digitalen Dienste bei Geflüchteten“, erzählt Alexander Schmitt. Die Teilnehmer berichteten etwa davon, dass viele ihrer Landsleute so genannten „Micro-Pay“ Spiele bevorzugen. Sie vertreiben sich mit Spielen die Zeit und nutzen sie gleichzeitig, um Kleinstbeträge in Bitcoins zu erwirtschaften, um damit wiederum neue Features zu finanzieren. „Gerade das Thema Spiele war für uns aber auch die Gelegenheit über Datenschutz und neue Online-Werbeformen zu sprechen“, so Alexander Schmitt. Eine Übersicht über die Themen finden Sie hier.

Die Teilnehmer/innen aus Biberach haben diese Schulung inzwischen erfolgreich abgeschlossen und erhielten ihre Zertifikate. Wie viel sie in diesen vier Tagen gelernt haben, zeigten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in beeindruckenden Abschlusspräsentationen, die sie am Schlusstag vorstellten.

Die erworbenen Kenntnisse wollen die Teilnehmer/innen einerseits in ihren Gruppen weitergeben und so für eine verantwortliche Mediennutzung in ihrem Bekanntenkreis werben. Sie werden aber auch in künftigen Veranstaltungen des LMZ als Co-Referenten und auch als Übersetzer/innen aktiv.

Das LMZ bietet im Auftrag des Staatsministeriums Baden-Württemberg auch in anderen Landkreisen solche Schulungen an. Interessenten, die gerne eine solche Schulung organisieren oder an ihr teilnehmen möchten, können sich beim LMZ anmelden. Ansprechpartnerin ist Anja Stein, 0711-2850-772, stein@lmz-bw.de

Weitere Informationen zu dem Kurs erhalten Sie auch beim Leiter des Kreismedienzentrum Biberach, Magnus Koch unter Tel.: 07351 52 62 66 oder E-mail: m.koch@kmzbc.de

Die Eltern-Medienmentoren-Schulungen, die das LMZ im Rahmen der Initiative Kindermedienland Baden-Württemberg anbietet, verfolgen folgende Ziele:

  • Die Teilnehmer/innen zu informieren und zu qualifizieren, so dass sie im Anschluss selbst Ansprechpartner für medienpädagogische Fragen in ihrer direkten Umgebung sein können und zum Beispiel gemeinsam mit dem LMZ Veranstaltungen durchführen.
  • Die Teilnehmer/innen bei der Medienerziehung zu unterstützen und zu stärken.

Kontakt

Anja Stein
Projektkoordination Eltern-Medienmentoren-Programm
stein@lmz-bw.de 
0711 / 2850 - 772

 

Magnus Koch
Leitung Kreismedienzentrum
Rollinstr. 9
88400 Biberach 

Tel.: 07351 52 62 66
Fax: 07351 52 64 04
E-mail: m.koch@kmzbc.de
Internet: www.kmzbc.de